Wildberger stellt Deutschland-App vor: Masterplan für die Verwaltung
Bundesdigitalminister Karsten Wildberger (CDU) hat auf der Hannover Messe seinen Masterplan zur Verwaltungsdigitalisierung vorgestellt. Kernstück ist die "Deutschland-App" — ein KI-gestützter One-Stop-Shop für Leistungen wie Kindergeldantrag oder Wohnsitzanmeldung. Entwickelt wird sie von SAP und Deutscher Telekom.
Wildberger präsentiert Deutschland-App
Bundesdigitalminister Karsten Wildberger (CDU) hat auf der Hannover Messe seinen Masterplan zur Verwaltungsdigitalisierung vorgestellt. Wie heise online berichtet, setzt der Plan auf drei Säulen: eine zentrale Bürger-App, einen konsolidierten Daten-Rahmen und einen KI-Schub für die Bundesverwaltung. „Wir haben verdammt viel aufzuholen", räumte Wildberger ein. Für seine Amtszeit von drei Jahren legt er damit ein Arbeitsprogramm vor, das den digitalen Stillstand der vergangenen Legislaturperioden brechen soll.
Die Deutschland-App als zentraler Zugang
Das sichtbarste Element des Plans ist die sogenannte Deutschland-App — ein KI-basierter Assistent, der Bürgerinnen und Bürgern Leistungen wie den Kindergeldantrag oder die Wohnsitzanmeldung an einer Stelle zugänglich machen soll. Entwickelt wird die App laut Wildberger gemeinsam von SAP und Deutscher Telekom. Eine integrierte Wallet-Lösung soll die sichere Rückübermittlung von Dokumenten ermöglichen. Das technische Rückgrat bildet die EUDI-Wallet auf EU-Ebene, die am 2. Januar 2027 live gehen soll.
11.000 Kommunen, 20.000 Verfahren
Der eigentliche Kraftakt liegt in der Zersplitterung: In Deutschland existieren rund 11.000 Kommunen mit etwa 20.000 verschiedenen Genehmigungsverfahren. Wildberger plant, Bund, Länder und Kommunen auf einen gemeinsamen Datenstandard zu verpflichten. „Das System ist offen, jeder kann sich einklinken", so der Minister. Gelingt die Standardisierung nicht, bleibt die Deutschland-App eine Oberfläche über einem Verwaltungsflickenteppich.
KI-Einsatz in Bundesverwaltung und Codegenerierung
Ein dritter Schwerpunkt ist der verstärkte Einsatz von KI in der Verwaltung selbst. Wildberger nannte als Beispiel die Bundesnetzagentur, die im Sommer 2026 eine KI-Anwendung zum Stromtrassenbau präsentieren soll — ein Feld, in dem Genehmigungsverfahren bisher Jahre dauern. Perspektivisch verweist Wildberger auf eine Entwicklung, bei der „künftig 95 Prozent der Programm-Codes von Maschinen generiert" werden könnten — eine Zuspitzung, die sich auf aktuelle Entwicklungen bei KI-gestütztem Software-Engineering bezieht.
DACH-Einordnung
Für Unternehmen und Selbstständige im DACH-Raum ist der Plan doppelt relevant. Wer mit deutschen Behörden arbeitet — von der Gewerbeanmeldung über Förderanträge bis zur Zollabwicklung — profitiert potenziell von standardisierten digitalen Prozessen. Österreich und die Schweiz verfolgen mit „ID Austria" bzw. dem geplanten E-ID-System eigene Wege, die über die EUDI-Wallet künftig interoperabel werden sollen. Konkrete Effekte für Nutzer dürften frühestens 2027 spürbar werden.
„Was wir auf den Weg gebracht haben, reicht nicht", so Wildberger selbstkritisch am Ende seines Vortrags. Ob der Masterplan tatsächlich umgesetzt wird, hängt weniger an der Technik als an der politischen Durchsetzung gegenüber Ländern und Kommunen.
Quelle: heise online — Stefan Krempl: „Die neue Bürger-App: Wildbergers Masterplan für Deutschlands Verwaltung" (17.04.2026)